Judo mit Verhaltensauffälligen Kindern Kürzlich wurde vom Nordrhein-Westfälischen-Judo-Verband der Workshop „Judounterricht mit verhaltensauffälligen Kindern“ angeboten. Schwerpunktthemen waren dabei das Wahrnehmen, Erleben und Erfahren von Bewegungsauffälligkeiten, praktische Arbeitshilfen im Umgang mit auffälligen Kindern, Erkennen von Störungen und Vorstellen von Lösungsvorschlägen. Geleitet wurde der Workshop von Vera Hänel und Christian Handschke, beides aktive Judoka und professionell mit dem Thema vertraut. Stattgefunden hat das Ganze im Landesleistungsstützpunkt in Witten. Nach der Begrüßung und Vorstellung der Referenten wurde über „das Schwinden der Sinne“ gesprochen. Die Teilnehmer wurden dabei selbst in die Lage versetzt, wie ein Kind empfindet, wenn es nur eingeschränkt sehen und hören kann oder anderweitig in den Wahrnehmungen eingeschränkt ist. Dabei sollten die Trainer und Übungsleiter für die Probleme sensibilisiert werden, die die Kinder während der Übungseinheiten erleben. Nicht immer ist ein Kind unaufmerksam, wenn es dem Trainer nicht zuhört oder offensichtlich mit anderen Dingen beschäftigt ist. Ein weiteres Thema war ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung). Dieses Krankheitsbild ist keine Erscheinung der heutigen Zeit. Schon immer hat es den „Zappelphilipp“ gegeben. Experten gehen davon aus, dass ca. 2 bis 6 Prozent aller Kinder und Jugendlichen von ADHS betroffen sind. Neben theoretischem Wissen wurden auch praktischen Anleitungen zum Umgang mit ADHS Betroffenen vermittelt. Schwerpunktmäßig wurden auch die Verhaltensmuster von übermäßig ängstlichen und aggressiven Kindern behandelt. Die Teilnehmer lernten Situationen kennen, die auf diese Problematik hinweisen und wie damit umgegangen werden kann. Neben den zuvor angesprochenen Themen wurde auch über den bei Kindern oft vorhandenen Mangel an taktilen (Tastsinn), vestibulären (Gleichgewicht) und kinästhetischen (Bewegung) Fähigkeiten behandelt. Oft hinkt die motorische Entwicklung der Kinder dem tatsächlichen Alter hinterher. Den Teilnehmern wurde anhand von motorischen und sensomotorischen Entwicklungsübersichten der „normale“ Stand vermittelt und dem tatsächlichen gegenüber gestellt. Im praktischen Teil zu diesen Themen wurden Anregungen und Spielformen vorgestellt und geübt. Ziel des Workshops war es, die Judo-Trainer darauf hin zu sensibilisieren, dass sie in der Lage sind geistige und körperliche Defizite zu erkennen, Verständnis dafür aufzubringen und entsprechend das Training zu gestallten. Vom TV-Jahn Minden waren Reinhard und Gerd Wilde vertreten. Beide sind im Besitz von diversen Trainerlizenzen und seit vielen Jahren im Kindertraining aktiv. Durch den Workshop sollte erreicht werden, dass „auffällige“ Kinder in das normale Training integriert und ohne Sonderbehandlung den Judosport erlernen können. Schon seit längerer Zeit arbeitet der TV-Jahn Minden mit einer Förderschule eng zusammen. Eine Vielzahl von Kindern haben zwischenzeitlich schon Prüfungen zum nächst höheren Gürtel erworben. Warum ist Judo besonders für Kinder gut? In der heutigen Zeit werden die Kinder mit Pseudohelden in Comics, Computerspielen oder Fernseher konfrontiert. Oft möchten sie sein wie diese. Beim Judo wird ihnen bewusst, dass sie nicht unbesiegbar sind und, das viel Schweiß fließen muss, bevor sich ein gewisses Niveau einstellt. Hier beginnt der Übergang von der Vorstellung zur Realität. Im Training werden Bezugspunkte und Grenzen festgelegt. Die Hierarchie der Gürtelgrade und die Pflicht seinen Partner zu achten geben den Trainingstunden einen festen Rahmen mit Regeln. Judo ist eine Aggressivität in festgelegten Regeln. Hier wird Aggressivität in einem festen Rahmen ausgelebt ohne bis zum Ende der Handlung zu gehen. Wichtig ist, dass Aggressivität nicht mit Gewalt verwechselt wird. Besonders wichtig hierbei sind die Trainer als kompetente SporterzieherMT 03.12.2009